Montag, 23. Februar 2009

4 Jahre Bil'in

Am letzten Freitag war das 4 jährige Jubiläum der Demonstrationen in Bil'in.
Seit 4 Jahren wurde dort jeden Freitag gegen die Mauer demonstriert.
Diese Woche waren wegen des Jubiläums besonders viele Leute da, 300 würde ich schätzen.


(Mehr oder weniger) Eine kurze Zusammenfassung des Videos:
In Bil'in wird seit 4 Jahren jeden Freitag friedlich demonstriert, gegen die Mauer, die Besatzung und die Apartheid. Inzwischen haben auch andere palästinensische Dörfer angefangen regelmäßig nach dem gleichen Prinzip zu demonstrieren wie in Bil'in demonstriert wird: friedlich und in enger Zusammenarbeit mit Internationalen und jüdischen Israelis.
Bil'in könnte ein Modell werden für die ganze Westbank, so dass größere Sensibilität für die Besatzung und eine friedliche Antwort darauf geschaffen wird, und das sowohl in Israel, als auch in Palästina und International.
Protest (wenn er weit verbreitet ist), sowohl in Form von Demonstrationen als auch in Form von Boykott, kann dort Probleme angehen wo die Interationale Gemeinschaft bisher versagt hat.

Eilat

Letztes Wochenende haben wir einen Volontärs-Trip nach Eilat gemacht. Eilat ist ganz im Süden Israels, direkt am Roten Meer, an der Grenze zu Jordanien und Ägypten.
Von Neve Shalom sind das ungefähr 4 Stunden Fahrt, da wir aber schon um kurz nach 6 losgefahren sind, hatten trotzdem fast nen ganzen Tag bei knapp 30 Grad am Meer.

Auch Schnorcheln konnte man in dem Wasser sehr schön, um das festzuhalten fehlt mir nur leider das Unterwassergehäuse für die Kamera.

Von unter Wasser sieht man viel mehr, größere und buntere Fische.

Samstag, 7. Februar 2009

Frühling


Obwohl wir ja erst Anfang Februar haben, ist der Winter, sofern man davon hier überhaupt sprechen kann, inzwischen zurückgeblieben.
Bei inzwischen bis zu 25 Grad mittags hat man so ungefähr das, was in Deutschland schönes Wetter im Mai ist. Auch die Pflanzen hier sind sich dessen bewusst und blühen...

Botschaftsempfang


Letzten Sonntag hat die deutshe Botschaft in Tel Aviv als Dankeschön für allen deutschen Volontäre einen "Empfang" gegeben.
Dazu war eine Bar in Tel Aviv angemietet worden.

Um 8 Uhr ging es los, wir waren erst so um 20 nach 8 da, als wir kamen waren bestimmt schon knapp 100 deutsche Volontäre in der dafür eigentlich zu kleinen Bar.
Irgendwas Offizieles, eine Ansprache etc. gab es nicht, dafür aber freie Getränke und Essen, von der Botschaft bezahlt. (wenn auch teilweise mit relativ langen Wartezeiten)

Wir haben einige Leute getroffen, die man von diversen Begegnungen schon kannte, alles in allem ne nette Party. Marvin und ich haben dann auch ne gute Stunde mit dem Botschafter diskutiert. Er weicht wohl persönlich ein wenig von der Position der Bundesregierung ab, ist aber trotzdem noch sehr pro-Israel. Mir schien es aufjedenfall so, dass ihm die vielen Konfrontationen mit Fakten über das Leiden des Palästinensischen Volkes (die Marvin und ich ihm "an den Kopf geworfen haben") eher unangenehm waren, er hat immer kurz die Position der Bundesregierung dazu gesagt, dann ein wenig was Abschwächendes dazu gesagt und dann versucht auf andere Themen zu kommen. Politiker eben...

Dienstag, 20. Januar 2009

Ein Deutscher, ein Engländer und ein Gazianer (ein Einwohner Gazas) sterben unerwartet.
Deprimiert über das Unglück, sich nicht verabschieden zu können, fragen sie den Teufel, ob es da nicht eine Möglichkeit gäbe, noch einmal kurz mit ihrer Familie zu sprechen.
Klar, sagt der Teufel, es gibt ein Telefon. Die Gebühren allerdings, müssen mit Jahren im Fegefeuer, entsprechend der Telefondauer bezahlt werden.
Der Deutsche ruft an, spricht mit seiner Frau und seinem Sohn und verabschiedet sich. Er braucht 5 Minuten. Das kostet ihn 2 Jahre Fegefeuer.
Der Engländer ruft an, spricht mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Er braucht 10 Minuten, es kostet ihn 4 Jahre Fegefeuer.
Der Gazianer ruft an. Arabisch ist bekanntlich eine blumige Sprache und um sich von seinen 14 Kindern und seiner Frau zu verabschieden braucht er 2 Stunden.
Es kostet in ein halbes Jahr Fegefeuer.
Der Deutsche und der Engländer beschweren sich. Dass der Teufel nicht gerecht sei, wäre ja bekannt, aber so unfair?
Wieso unfair, fragt der Teufel, ihr habt schließlich ein Ferngespräch geführt, seins hingegen war ein Ortsgespäch.

Montag, 19. Januar 2009

Waffenruhe

In Gaza gibt es nun eine Waffenruhe, zum Glück. Leider erst viel zu spät, 1300 Menschen sind getötet worden, nach Meinung einiger ein richtiges Massaker.
Zum Beispiel nach der Meinung von Ruven Moskovitsch. Mit dem 80 jährigen Holocoust-Überlebenden und Neve Shalom Mitbegründer haben Marvin und ich uns heute spontan getroffen, weil er im Dorf war. Er war sehr traurig und erbost über den Krieg und das Morden in Gaza.
Als Jude, der fließend deutsch spricht und bekannter Friedensaktivist, wurde er in der Vergangenheit öfters von deutschen Medien interviewed. Seiner Aussage nach allerdings nicht mehr, seit dem 2. Libanonkrieg 2006. Dort hatte er sich der israelischen Regierung und Bevölkerung gegenüber sehr kritisch geäußert und war im Interview "abgewürgt" worden.

Trotz seiner 80 Jahre haben wir ihn auch auf Friedensdemos in Tel Aviv getroffen, die während des Kriegs häufig stattfanden.

(Foto von Marvin)
Dieses Wochenende war politisch auch wieder voll Aktivität.
Die Menschenrechts-Organisation "Physicians for Human rights" (Ärtzte für Menschenrechte) hat die Erlaubnis gekriegt, einen LKW mit Hilfsgütern nach Gaza zu schicken. Um den LKW zu begleiten und gegen den Krieg, im Besonderen die Tötung von Medizinern, zu demonstrieren, sollten gemietete Busse aus Tel Aviv, Jerusalem, Taibeh und Beer Sheva sich treffen und den LKW bis zur Grenze geleiten, um dort zu demonstrieren.
Marvin und ich saßen im Bus von Jerusalem.
In Ashqelon wurden die Busse dann allerdings alle einzeln abgefangen und jeweils von 2-5 Streifenwagen an verschiedene Tankstellen eskortiert.
Dort wurde dann zunächst den Busfahrern ihr Führerschein weggenommen und die Leute festgehalten. Den Versuch, mit öffentlichen Verkehrsmitteln/Taxis zur Grenze zu kommen, hat die Polizei ebenfalls unterbunden.

Alles, obwohl die Demo eigentlich legal war und der normale Verkehr passieren durfte.
Schließlich wurden wir dann noch bis Jerusalem zurück eskortiert und durften erst in Bell's Garden in Jerusalem aussteigen.

Am Samstag war uns größerer Erfolg beschert.


Den Tag über sind Marvin, Sawsan, Maya, ich und Diana, eine neue Volontärin, die Donnerstag gekommen ist, in den Norden gefahren. Dort hat Sawsan uns die Dörfer um ihr Heimatdorf gezeigt, Dörfer aus denen 1948 Palästinenser vertrieben wurden.
Das war sehr interessant.


Sawasn

Am Abend waren dann Marvin, Sebastian, Sonia und ich auf einer Demo gegen den Krieg in Tel Aviv/Jaffa. Im Gegensatz zu den meisten Demos hier, war dies eine Demo bei der gelaufen wurde. Dadurch und durch die Größe, ich würde so 2000 Menschen schätzen, war die Dynamik und Atmosphäre der Demo besser als sonst und trotzdem friedlich.
Durch den Krieg haben sich einige im Dorf politisch (wieder) hochgerappelt und so waren auch einige Bewohner aus Wahad al Salam da. Unter anderm auch Shady, der, bevor der Krieg ausgebrochen war, noch auf keiner Demo war und durch die Umstände und vielleicht auch den Einfluß von Yuval, Marvin und mir sich deutlich politisiert hat.

Wie meistens waren übrigens etwa 80% der Demonstranten Juden, daher nur ein geringer Teil arabisch. Anti-Jüdische Sprüche, wie auf einigen deutschen Demos wohl gefallen sind, gab es also nicht, dafür neben vielen palästinensischen Flaggen auch eine israelische.

Donnerstag, 15. Januar 2009

غزة

Salam al Leikum,

In Gaza herrscht Krieg. Mehr als 1000 tote Palästinenser, 13 tote Israelis, über 4000 Verwundete.
Das ganze spielt sich nicht mehr als gute 50 km von hier, von Wahat al Salam/Neve Shalom, ab.

Ich möchte keine Schuld zuweisen, sowohl Israelis als auch Palästinenser wachsen meiner Meinung nach in Verhältnissen auf, die sowohl die Bomben auf, als auch die Raketen aus Gaza nachvollziehbar machen. Nichts desto trotz halte ich beides für falsch, halte ich jede einzelne Gewalttat, ob Rakete oder Bombe oder Blockade für falsch.

Frieden ist das aktive Streben nach der Abnahme von Gewalt, Ungerechtigkeit und Hass.

Selig sind die, die Frieden stiften. Die Wege Frieden zu stiften sind vielfältig, sei es im Gebet, in Form von Spenden, in der persönlichen Begegnung als auch in der Form von Friedensdemonstrationen.

Für die von euch, die in Mülheim und Umgebung wohnen, bietet sich da am kommenden Samstag eine Möglichkeit, hier eine Einladung, die ich von meiner Mutter weiterleite:

Shalom und Salam,

zu einer Aktion des Friedensforum Mülheim gegen den Krieg in Gaza wollen wir uns Samstag (17.01.09) treffen, und zwar um 11.30 Uhr an der Friedenstreppe (Bachstr.). Ein paar Aktionsplakate liegen für interessierte Teilnehmer bereit, friedliche Plakate können aber auch mitgebracht werden.

Dort werden Infos gegeben zur Aktion. Ein paar Texte leiten ein "Schweigen" ein, das von dem Glockengeläut der Petrikirche begleitet werden soll.

Um ca 12.15 Uhr geht es dann über die Schlossstr. zum KurtSchumacherPlatz. Dort soll um einen Olivenbaum eine Menschenkette gebildet werden.

Ende ca 13.15 Uhr, Info Tische und Unterlagen für eine Unterschriftensammlung stehen bereit.

Drop words, not bombs!

Liebe Grüße

Gerda

Es würde mich freuen, wenn sich der ein oder andere dazu einladen lassen würde.

Für die, die besorgt um mich sind: obwohl Gaza nur 50 km von hier entfernt ist, kriegen wir nur durch die Nachrichten vom Krieg zu hören. Hier ist es sicher.

Gottes Segen (und ich hoffe ihr habt diese etwas längere und politische Mail ganz gelesen ;-)

Jonathan



Im Frieden

"Schwere Zeiten"
sagte das Blei zum Studenten
"Wie sich's trifft"
sagte das Blut zum Stein
"Ohne Sorge"
sagte die Ruhe zur Ordnung
"In Gottes Namen"
sagen die Träger zum Sarg

Erich Fried